Samstag, 13. Juli 2013

Bürgerfest in Ingolstadt aus einem anderen Blickwinkel

Schlechte Coverbands, zu viele besoffene Menschen, Kindertanzgruppen mit miesen Choreographien, Bundeswehr auf der Suche nach frischem Kanonenfutter, grausige Gardenauftritte und rhythmische Sportgymnastik, aber schöne Bäume. 

Ein Spiel mit Laub, Licht und Menschen.









Dienstag, 2. Juli 2013

Hemingway im Fischrestaurant und Bukowski vorm Schnapsregal

Ziemlich dumme Gesichter: Bei den Isländern wären diese schuppigen Zeitgenossen laut Halldor Laxness wieder zurück ins Meer geworfen worden: "Von anderen Menschen begehrte Fischer warfen die Isländer wieder ins Meer, wenn ihnen deren Gesicht nicht gefiel..."


15 Uhr, die Menschen in der verregneten Ingolstädter Fußgängerzone haben Hunger auf Fisch. Der Fisch der ihnen dieses Mal in einer bekannten Restaurantkette für Fisch und anderes Wassergetier serviert wird hatten sie nicht erwartet - literarischer Fisch von Ernest Hemingway, Halldor Laxness, Christian Kracht, Orhan Pamuk und Herman Melville. 

Vorbereitungen: Aus dem Bücherregal dürfen Ernest Hemmingway mit "Der Alte Mann und das Meer", Halldór Laxness mit "Die Litanei von den Gottesgaben", Christian Krachts "Faserland", Orhan Pamuk mit "Das schwarze Buch" und Herman Melvilles "Moby Dick" in das Fischrestaurant.


Jens Rohrer bringt schon zum zweiten Mal Literatur unters Volk. Nach der ersten Guerilla-Lesung vor dem Schnapsregal eines Lebensmitteldiscounters aus den Werken berühmter Alkoholiker, liest er dieses Mal in dem Fischrestaurant aus Büchern über Fische und Fischer. Der Ingolstädter Autor schreibt selbst Gedichte, Prosa, sowie Romane, und verschlingt im Monat nach eigenen Angaben drei bis vier Bücher. Aber warum stellt er sich an öffentliche Orte und zitiert aus Büchern anderer Autoren? "Weil ich gute Literatur unter das Volk bringen will und nicht den Schund wie Twilight und Shades of Grey, der so oft in den Bestsellerlisten ist und weil es Spaß macht, die Literatur nach einem bestimmten Thema zu durchforsten", meint der Ingolstädter. Generell findet Rohrer werde viel zu wenig gelesen.  Seine Aktionen versteht er als Inspiration für Leser oder solche, die es werden wollen. 

Ein paar Freunde und Bekannte sind gekommen. Die eingeweihten Reihen sich mit Tablett in die Schlange der Ahnungslosen unter ihnen der Autor. Das Restaurant ist vollbesetzt. Rohrer setzt sich in eine Ecke und beginnt mit fester Stimme zu lesen. Die Eingeweihten um ihn herum sitzen gespannt da, hören zu und vorallem beobachten sie. Der Rest reagiert verwirrt, riskiert einen Blick, lacht verschämt in sich hinein oder schaltet auf Durchzug. Einige verlassen vielleicht schneller als geplant das Lokal und treten in den Regen, andere bleiben noch länger vor ihrem leeren Tablett sitzen und lauschen verstohlen den Worten. Eine junge Frau dreht sich interessiert um und lächelt. Ein Herr der länger still dagesessen hat, entscheidet sich nun doch zum Aufbruch und zwinkert der Runde freundlich, nickend beim rausgehen zu. Das Personal kommt auch ein paar Mal öfter in das Eck und wischt Krümel von den Tischen, die es gar nicht gibt mit einem Lächeln auf den Lippen. 


Verstohlene Zuhörer: Jens Rohrer liest 1 1/2 Stunden in dem Fischrestaurant ohne, dass das Personal davon informiert war. Sie lassen ihn gewähren und lauschen sogar hin und wieder.

"Fisch-Gosch, das ist eine Fischbude, die deswegen so berühmt ist, weil sie die nördlicheste Fischbude Deutschlands ist." Das Wort Fisch in Krachts "Faserland" betont der Autor inbrünstig. Den Ahnungslosen schwant, dass die Literatur nicht zufällig ausgewählt wurde. Ein Mann, der mit seiner, wenig humorverstehenden besseren Hälfte, daher ziemlich grimmig dreinschauend, gerade Scampi verspeist prustet laut los. "Dir stürme ich entgegen, du alles vernichtender, aber nicht besiegender Wal, bis zuletzt schlage ich mich mit dir; mitten aus der Hölle lanze ich dich, noch mein letzter Atemzug gilt dir!", ruft Rohrer im rauen Seemannsbass die Worte von Captain Ahab aus Melvilles Moby Dick in den Speiseraum. Einem älteren Mann, der nur verstohlen zugehört hatte, rutscht ein bewunderndes "Toll!" heraus und nippt nochmal langsam an seinem Pils. 

Die Dame an der Fischtheke ist an diesem Tag noch freundlicher zu den Kunden und wenn keiner zu bedienen ist, dann wandert ihr Lächeln immer wieder in die Ecke mit dem Dutzend Literaturfreunden. 

Die Angst des Autors, vertrieben zu werden wegen den oft nicht absatzfördernden Worte der Schriftsteller zu den Themen hat sich nicht bestätigt. Im Discounter hat er es auf 45 Minuten gebracht, im Fischrestaurant waren es fast 1 1/2 Stunden. Dieses Mal kamen auch eigenen Werke zum Zuge aus seinem Lyrik-Zyklus "Weltmähren" wie etwa das Gedicht "Nordpolarmeer": 

"Ein Orca ging nach Hollywood 
das fand der Tierschutz gar nicht gut

und so, nach drei Filmen schon
schickt man Willy in Pension

man bringt ihn an isländ'sch Strände
um zu verleben seine Rente 

Jetzt muss er Nahrung selber fangen, 
Willy fühlt sich hintergangen

Sein Jagdtrieb, der ist längst hinüber
die andern Orcas lachen drüber

Gemütlich hatte er's dort drüben, 
jetzt muss er wieder jagen üben 

Hier zählt nur Beute, eine Dicke, 
kein Wal steht hier auf Kunststücke 

Robben haben Protein 
doch Willy will sein Kokain 

Und es ist kalt in diesen Breiten
Ihm entfährt es "Herrschaftszeiten!" 

Die Freiheit tut ihm gar nicht gut, 
er will zurück nach Hollywood

er sehnt sich nach den Dreharbeiten 
Willy plärrt: "Ich kann so nicht arbeiten!" 

Tosender Applaus der Eingeweihten ist ihm nach jedem Werk sicher. Von den Ahnungslosen, traut sich keiner offen einzustimmen, sie schauen nur, lächeln allerhöchstens. Doch die sicherste Reaktion ist dem gemeinen Ingolstädter doch so zu tun, als ob man nichts sehen und hören würde. 

Von einer Bekannten, gibt es sogar zur Hälfte der Lesung eine kleine Stärkung, passend zum Lesemotto.

 Dem "Che Guevara der Ingolstädter Literaturszene" ist das schon genug. Er plant nach den beiden erfolgreichen Aktionen, schon weitere Auftritte. Wo er als nächstes auftaucht und ob das wieder in heimatlichen Gefilden sein wird will er noch nicht verraten. Sicher ist es geht weiter.

 

Montag, 15. April 2013

Transition Town - Ein Selbstfindungsprozess

Nachdenken über die Zeit nach Peak Oil in der Stadt, die weit über die Grenzen des Landes nur als Standort für Raffinerien und eines großen Automobilherstellers bekannt ist. Peak Oil, das globale Ölfördermaximum wird oder wurde irgendwann zwischen 2007 und 2037 erreicht. Für die Allermeisten spielt der Begriff noch überhaupt keine Rolle, besonders nicht in Ingolstadt. Die Abhängigkeit vom Automobil und damit immen noch vom Erdöl wird hier gekonnt verdrängt. Hoch lebe die Boomtown! Ein paar Menschen machen sich aber doch Gedanken darüber und wollen Handeln. Das Konzept Transition Town soll nun auch aus Ingolstadt eine Stadt im Wandel machen. 

Das südenglische Totnes ist das Musterbeispiel. Bis Ingolstadt aber soweit ist, hat die kleine Gruppe, die sich gerade eben gebildet hat noch viel Arbeit vor sich. Sie handeln schon. Ein Grundstück wurde gefunden, das den Bürgern zum gemeinsamen Gärtnern von einem Spender zur Verfügung gestellt wurde. Ein gutes Zeichen. Dass nun alle Bürger sich der Bewegung freudig anschließen und es wie in Südengland zu einer Massenbewegung kommt ist an der Donau nicht zu erwarten. Immerhin gibt es schon mehr als einen Menschen, der die Idee gut findet, sich Gedanken um ein ökologischeres Leben zu machen und es wurde bereits ein Grundstein zum Handeln geschaffen. Sobald man glaubt, etwas ändern zu können, wenn es auch nur im eigenen kleinen Umfeld, dann ist das Kartell aus Macht und Geld, die Grundlage der Boomtown, schon am Bröckeln. Ein solcher Wandel, wie die Transition Town, der muss aus dem Innern der Gesellschaft kommen. Er kann nicht übergestülpt werden von Politik oder Wirtschaft. Die Bürger finden in kleinen Schritten ihre Lösungen für ein besseres Leben, ihren Kompromiss, der sich, wie das Leben nun mal ist, im ständigen Wandel befindet.

Ich als Einzelner möchte auch meinen Beitrag dazu leisten und etwas verändern in meinem Leben, die nächsten Wochen immer ein Stückchen mehr. Das Wetter ist schön, Fahrradfahren verbraucht kein Öl, also rauf auf das Rad und in die Arbeit damit. 
Zum Gärtnern habe ich wenig Talent, aber zum Teilen dafür umso mehr. Secondhand und Kleidertausch gehören bereits in mein Programm auch wenn es mich doch auch immer mal wieder zu dem großen schwedischen Kleiderhersteller treibt. 

Wegen mir müssen keine Hotels gebaut werden, dank Couchsurfing und Airbnb. Obendrein lerne ich auf diese Art Kultur, Sprache und die regionalen Besonderheit besser kenne. Reiseführer brauche ich so gut wie nie, meine Reiseführer haben zwei Beine und können sprechen. Reisen sind nach wie vor nicht so ökologisch wie ich mir es wünsche. Das ist vermutlich mein Luxus, den ich mir Leiste. Aber anstatt alleine mit dem Auto nach Italien mit der Masse zu tuckern, bevorzuge ich Bahn, Mitfahrzentrale und in der Masse gesehen ist sogar das Flugzeug als Reisemittel ökologischer als alleine im Auto gen Süden zu fahren. 

Ein Fernziel habe ich. Mit dem Fahrrad oder gar zu Fuß auf Reisen zu gehen. Nur dafür bräuchte es deutlich mehr Zeit. Ich kann noch an mir arbeiten. 

Klar gibt es noch ein paar Dinge mehr. Auf regionale Produkte achte ich schon lange. Ich brauche keine Erdbeeren im Dezember und komme gut ohne exotische Früchte aus. Mein Stromverbrauch hält sich in Grenzen. 

Ein weiteres Fernziel ist, den Strom selbst zu erzeugen. Die Lösungen, die der Markt bietet, überzeugen mich noch nicht. Zumal ich meinen Strom gerne selbst verbrauchen würde und nicht in das Netz einspeisen will. Zudem möchte ich keine chinesischen Photovoltaikmodule kaufen um die Natur und die Menschen dort noch mehr zu schinden, als es ohnehin schon der Fall ist. Ich werde dranbleiben und mich informieren. 

Mein Strom stammt derzeit aus Wasserkraft und gilt gemeinhin als "grün". Das genieße ich mit Vorsicht, denn aufgestaute und kanalisierte Flüsse verdienen bei weitem nicht das Label "ökologisch verträglich". Ich unterstütze die Idee der Bürgerkraftwerke. Langfristig ist es sinnvoll Strom dezentral zu produzieren unter der Regie der jeweiligen Kommunen mit einem Mix aus Sonne, Winde, Geothermie etc. und sparen, sparen, sparen.

Synergien für naturnahe Kreisläufe finden und nutzen hilft ein ökologischeres, aber trotzdem ein Leben mit hohem Standard zu führen (das bedarf auch noch einer eigenen Diskussion). Ich werde mal bewusst suchen. Wenn ich fündig geworden bin, teile ich die Erkenntnisse gerne hier. 


Ein zartes Pflänzchen bunter Exoten wächst im Grau der
Boomtown. Zwischen Absatzzahlen, Wohlstand durch Wachstum, Gewinnspanne und Rendite gibt es bald einen Gemeinschaftsgarten.


Sonntag, 14. April 2013

Eine Ode an den ÖPNV

Zu schade, dass es für Leute in meinem Alter nicht mehr die Möglichkeit gibt per Interrail durch die Lande zu ziehen. Ganz besonders beim Bahnfahren erlebt man Dinge, die wären einem sonst verwehrt geblieben. Zugpendler bin ich nun auch nicht mehr, also muss ich meine mikrosoziologischen Feldstudien wo anders machen. Aber hin und da zieht es mit mal wieder in Bus und Bahn. Da erfährt man die intimsten Details aus dem Privatleben anderer Leute, nur weil die glauben, dass wenn sie am Handy mit jemandem anderen telefonieren kein anderer mithört. "Ja, Schatz, heut wirds Lustig. Ich hab Prosecco dabei und mein Ex kommt auch noch. Den findest Du doch so heißt, oder? Wie wollen wir anfangen?"

In der Münchner U-Bahn wird man oft bestens unterhalten, von Leuten die aus mindestens zwei Persönlichkeiten bestehen und den ganzen Tag scheinbar nichts anderes tun als U-Bahn zu fahren. In der Zürcher Trambahn habe ich sogar einmal eine Frau getroffen, die war umringt von weiteren imaginären Persönlichkeiten: einer hinten, einer links, einer rechts und einer schien sogar unter ihr zu sein oder war das ihr wahres Ich? Man lernt viel über Psychologie in öffentlichen Verkehrsmitteln. In Wien etwa, dass Busfahrer nichts von Small Talk halten und die Frage: "Fährt der Bus nach Simmering?" nicht als Anlass sehen dem völlig verirrten Menschen vor ihnen ein wenig Sicherheit im Wirrwarr der fußgängerunfreundlichen Wiener Industriegebiete zu geben und einfach mal "Ja, steigen sie nur ein ich bringe sie hin" zu sagen, sondern nur ein "steht doch drauf" knurren.

Man erfährt vieles über die Feinheiten der regionalen Unterschiede: Im Zug Richtung Stuttgart lernt man an jeder Haltestelle ein paar neue schwäbische Worte und sieht wann der Biergenuss, eher in Weinbegeisterung übergeht. Hanoi, wois au ned wia dös geht? Die Dörfer im Donauschwäbischen sind schon sehr speziell. "Wollens nach Stuagard, da müssens aber no weit fahra". Naja, noch 20 Kilometer, aber egal. "Ma wois ja a neda ob da Bahnhof no steht, hahahaha". "Hahahaha", ja um manche Gespräche bittet man nicht, aber man ist danach immer eine Erfahrung reicher. Eine, die man mit dem Auto möglicherweise nicht gemacht hätte.

Mittwoch, 10. April 2013

Sozialgruseln

Sich verstanden fühlen und unter Menschen zu sein, von denen man weiß sie verstehen einen, wenn es sein muss auch ohne Worte, ist beglückend angenehm. Es gibt natürlich auch andere, viele andere Gruppen der Gesellschaft, mit denen man nicht kann oder überhaupt nicht. Bei den allermeisten hilft Toleranz für den anderen Lebensstil und Sichtweise der gleichen Sache, bei anderen gute Argumente und eine große Portion Gleichgültigkeit.

Manchmal möchte ich aber gar keine Gegenmittel egal ob es nun Toleranz, Gleichgültigkeit ist oder sogar eine Spur Verachtung ist mit der man die anderen bedenkt um mit ihrem Anderssein fertig zu werden. Manchmal werfe ich mich in diese Gruppen der Andersdenkenden oder allzuoft auch gar nicht Denkenden. Ich schaue mir mit wohligem Grusel Dokumentationen über die brave Hausfrau in den 50ern an, unterhalte mich mit erzkonservativen, kreuzkatholischen Landbewohnern und kitzel aus ihnen schräge, wie aus einer anderen Welt und Zeit stammende Bemerkungen heraus, nur damit mir so eine Art Schauer über den Rücken läuft. Das hat für mich oft denselben Effekt wie ein Gruselfilm. Der wohlige Schauer kitzelt die Nerven, er regt auf und verursacht im Abgang ein wenig Angst. Wie ein guter Gruselfilm. Sozialgruseln nenne ich das. Lasst den Uraltschocker im DVD-Regal und geht mal raus, an den nächsten Stammtisch oder zu einer Vereinssitzung. Gruselfaktor ist garantiert!

Sonntag, 7. April 2013

Finnische Lebensart

Es soll ja nichts langweiligeres geben als die Urlaubsfotos anderer Leute, deshalb nenne ich meine Eindrücke von Finnland lieber Reisefotos. Es ist mal wieder Zeit für ein paar Bilder in diesem Blog.


Helsinki - Design oder Improvisationskunst made in Finnland








 

Designweek Rovaniemi








Esskultur?






Sprache - Psychopatti, Pariisii, Ulkomaat und Tölöö



Freizeitspaß finnische Art: